Die "Lange Nacht der Hausmusik" hat mittlerweile eine jahrelange Tradition (seit 1992) und ist thüringenweit ein fester Bestandteil als Auftakt der "Thüringer Bachwochen" zu Ehren von Johann Sebastian Bachs Geburtstag am 21. März. Ab 18.00 Uhr wird an diesem Tag in öffentlichen Gebäuden, Kirchen und Wohnzimmern musiziert. Dabei steht die Musik von Johann Sebastian Bach und seinen Zeitgenossen im Mittelpunkt.
Die meisten der zahlreichen Zuhörer waren nicht zum ersten Mal da. Man winkte und lächelte sich zu, sprach miteinander und überbrückte die Zeit bis zum Beginn des Hausmusikabends in einer freundlich-gespannten Atmosphäre.
Die Akteure des Abends: Ingo Geppert, Violine, Gesang, Moderation; Claudia Zohm, Sopran; Carolin Kortüm, Sopran; Daniel Fricker, Tenor; Helga Assing a. G., Klavierbegleitung; Mette Geletneky a. G., Klavier-Solo.
Um es vorweg zu sagen: das Konzert hatte ein professionelles, absolut hohes Niveau! Mit einer Referenz an Johann Sebastian Bach begann das Konzert: dem Choral "Jesu meine Freude", interpretiert vom Gesangsquartett und der Choral-Arie "Bist du bei mir" aus Georg Christian Schemellis "Musicalischem Gesang-Buch", gesungen von Claudia Zohm, am Klavier begleitet von Helga Assing, die eine ideale Partnerin des Abends war (!). Das "Musicalische Gesang-Buch" von Georg Christian Schemelli, die einzige Veröffentlichung des deutschen Kantors, enthält 954 geistliche Lieder, an denen auch Johann Sebastian Bach mitgearbeitet hat.
Es folgte das meistgespielte Violinwerk von Ludwig van Beethoven: der 1. Satz aus der sogenannten "Frühlingssonate" für Klavier und Violine in F-Dur. Der Titel stammt nicht von Ludwig van Beethoven. Die beeindruckend klare, romantisch anmutende Linienführung der Themen führte in Liebhaberkreisen zu diesem gefühlvollen Titel. Vielleicht hat Beethoven, eigentlich Komponist und ein hervorragender Pianist und Improvisator, bei der Komposition dieses Werkes an seine gelegentliche Ausbildung an der Violine gedacht. Dabei soll er sich im Lagenspiel derart verirrt haben, dass er selbst in lautes Lachen ausbrach. Nicht so bei Ingo Geppert und Helga Assing! Kein einziges Mal "verirrten" sie sich bei diesem sowohl für die Geige als auch für das Klavier äußerst anspruchsvollen Werk. Am starken Beifall spürte man, dass die Interpretation beim Publikum überaus gut angekommen war.
Mit "Liebesleid" und "Liebesfreud" des letzten Romantikers und komponierenden Geigers Fritz Kreisler, wurden im Stil altwienerischer Tanzweisen dem Konzert-Thema entsprechend virtuos Frühlingsgefühle geweckt.
Die erst 12-jährige Mette Geletneky, die Assoziation zum Wunderkind lag nahe, überzeugte sowohl mit Ludwig van Beethovens Sonate Op. 14, Nr. 1 (1. Satz) als auch mit Frédéric Chopins Impromptu As-Dur.
Das war schlichtweg großartig und beeindruckend: hinsetzen, spielen, begeistern.
Als gäbe es nichts Einfacheres!
Das Klavier, ein Geschenk der kürzlich zugereisten Familie Trumpp, war "sicher erfreut, solche Klänge hervorbringen zu können" – meinte der Moderator. Eine großzügige Spende ermöglichte am Vortag die Klavierstimmung.
Viel Freude übermittelte das Gesangsquartett mit Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy und englischen Komponisten des Barock. Glasklar der Sopran von Claudia Zohm, "frühlingshaft" glockenhell die Stimme von Carolin Kortüm, klangschön der Tenor Daniel Fricker und stimmsicher der Bass von Ingo Geppert. Getragen von der großartigen Akustik des Saales entfalteten sie einen nahezu vollendeten homogenen Gesamtklang.
Mit der Zugabe "Kein schöner Land" und einem hauchzarten Schluss-Piano wurde das aufgeschlossene, mitgehende Publikum in den Frühling entlassen. Interessant ist, dass die gewichtigen Komponisten des Abends, der Klassiker Ludwig van Beethoven, die Romantiker Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin die allergrößte Hochachtung vor Johann Sebastian Bach hatten. Für Frédéric Chopin war Johann Sebastian Bach neben Wolfgang Amadeus Mozart ein Leitbild. Felix Mendelssohn Bartholdy haben wir die Bach-Renaissance zu verdanken. Von Ludwig van Beethoven stammt der Satz: "Nicht Bach – Meer sollte er heißen."
Gibt es eine größere Wertschätzung für Johann Sebastian Bach?
Die Bachwochen sind eröffnet. Bis zum 19. April kann in ganz Thüringen Johann Sebastian Bach genossen werden...
H.G.
Neuapostolische Kirche